19.12.2017
Jahresrückblick 2017

Hilfe zur Selbsthilfe - auch 2018 aus Überzeugung unser Konzept

Gerade in der Weihnachtszeit ist immer viel vom Helfen die Rede.

Aber was heißt das eigentlich: „helfen“? Hilfe kann so unterschiedliche Gesichter haben. Sie kann sich beispielsweise aufs Finanzielle beschränken. Was mit dem Geld passiert und ob es wirklich etwas bewirkt, bleibt aber leider oft unklar. Hilfe kann auch tätige Hilfe durch Betreuung oder Beratung sein. Viele Mutlose schöpfen durch solche Angebote neue Motivation und nehmen ihr Leben wieder aktiv in die Hand.

Maria Montessori, Ärztin und Pädagogin hat gesagt: "Hilf mir, es selbst zu tun. Zeig mir, wie es geht…. Mute mir auch Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen."

Coaches und Mentoren unterstützen

Die Walter Blüchert Stiftung steht für Hilfe zur Selbsthilfe: Wir wollen die von uns Geförderten dazu befähigen, Vertrauen in ihre Kompetenzen zu gewinnen und ihr Potenzial zu entfalten – mit Hilfe unserer Fördergelder, vor allem aber auch durch unsere persönliche Begleitung.

Deshalb haben alle Programme der Walter Blüchert Stiftung eine ausgeprägte Coaching- und Mentoring-Komponente, mit der wir die Persönlichkeit der Geförderten gezielt stärken – beispielsweise im Rahmen des Stipendienprogramms „hochform“. Darin unterstützen wir gemeinsam mit der Deutschen Universitätsstiftung Absolventen der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Ingenieurswesen, Naturwissenschaften, Technik) aus Flüchtlingsgebieten dabei, in Deutschland ein Masterstudium abzuschließen und einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden. Alle Stipendiaten haben einen persönlichen Mentor an ihrer Seite. Der unterstützt sie nicht nur im Hochschulalltag, sondern kann auch Tipps zu beruflichen Fragen geben oder nützliche Kontakte herstellen. „Ohne meinen Mentor hätte es mit meinem freiwilligen Praktikum nie geklappt“, berichtet exemplarisch ein junger „hochform“-Absolvent der Automatisierungstechnik von der RWTH Aachen.

Deutlich früher, aber ebenfalls unter dem Aspekt „Hilfe zur Selbsthilfe“, setzt unser Projekt „was geht!“ an. Hier fokussieren wir uns auf die Stärkung von Jugendlichen, die am Übergang zwischen Schule und Berufsausbildung stehen. Viele dieser Jugendlichen haben unentdeckte Potenziale – aber kaum jemanden, der diese erkennt oder fördert. Deshalb sind sie nicht erfolgreich. Die Walter Blüchert Stiftung macht die jungen Menschen fit für den Arbeitsmarkt – oder unterstützt sie dabei, sich für den nächsthöheren Schulabschluss zu qualifizieren. “was geht!“ ist ein integriertes Unterstützungspaket aus Bildungsarbeit, einem Mentoren-Programm und Maßnahmen zur individuellen Förderung von Berufs- und Studienorientierung. Und genau das ist auch das Erfolgsrezept, das wir gemeinsam mit der Prof. Otto Beisheim Stiftung umsetzen: den einzelnen Menschen sehen, ihn begleiten, an die Hand nehmen, Wertschätzung geben. Nur so wächst das Vertrauen, damit die eigenen Stärken einen sicher durchs Leben tragen.

Nicht nur die Geförderten profitieren

Auch „Durchstarten in die Ausbildung“, eine Einzelförderung für Jugendliche, die Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz benötigen, folgt diesem Leitgedanken. Die Walter Blüchert Stiftung trägt in dem Projekt einen Teil der Ausbildungskosten, indem sie mit den Lehrbetrieben eine Fördervereinbarung abschließt. Sie stellt ehrenamtliche Helfer, die die Jugendlichen im Kreis Gütersloh persönlich betreuen und Gespräche mit den entsprechenden Betrieben führen. Die ehrenamtlichen Helfer sind Ansprechpartner, wenn während der Ausbildungszeit Probleme auftauchen und vermitteln zwischen Azubi und Lehrbetrieb. Dadurch profitieren nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die teilnehmenden Unternehmen – und damit letztendlich die gesamte Gesellschaft.

Diese Liste der Beispiele ließe sich noch lange fortsetzen, denn auch in unserem Flüchtlingsprojekt „angekommen in deiner Stadt“ in inzwischen fünf verschiedenen Städten und mit weit über 1.000 Schüler*innen steht die Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. Oder im Projekt „Abakus“, in dessen Rahmen traumatisierte Kinder und Jugendliche in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen nicht nur ein liebevolles Umfeld, sondern vor allem hoch kompetente professionelle Unterstützung finden.

All diese zum Teil sehr komplexen Projekte führen wir in enger Zusammenarbeit und mit Hilfe ganz unterschiedlicher Partner durch – Landesregierungen, Kommunen, der Bundesagentur für Arbeit, Handwerkskammern, örtlichen Initiativen, sozial-karitativen Einrichtungen und anderen Stiftungen. Ohne sie wäre unsere Arbeit in dieser Form und in diesem Umfang nicht möglich. Durch die Bündelung von Ressourcen, Know-how und Netzwerk entstehen Synergien – manchmal sogar Quantensprünge.

„wir2“, unser bundesweites Angebot für belastete Alleinerziehende

Ganz besonders hervorheben möchte ich in diesem Jahr „wir2“, unser Angebot für Alleinerziehende. Ihre Zahl wächst seit Jahren deutlich. Viele – vor allem sind es ja Frauen – bekommen ihren Alltag gut geregelt. Andere – seriöse Schätzungen gehen von rund 10 Prozent der insgesamt 2,6 Mio. Betroffenen aus – schaffen das nicht. Sie sind überlastet und finden deswegen keinen Zugang mehr zu ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, aber auch zu den Bedürfnissen ihrer Kinder. Viele werden unter dem Druck psychisch oder physisch krank.

Mit „wir2“ haben wir ein umfangreiches, wissenschaftlich evaluiertes und außerordentlich erfolgreiches Trainingsprogramm entwickelt, das inzwischen bundesweit verfügbar ist. „wir2 plus“ wird das Angebot im kommenden Jahr abrunden, denn es wird das Training der Mütter und Väter mit einem maßgeschneiderten Programm für Kinder sinnvoll ergänzen.

Mit unseren Projekten wollen wir unseren Schützlingen – in welcher Situation auch immer – dabei helfen, trotz aller Schwierigkeiten ihr persönliches Potenzial zu entfalten um erfolgreich am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Denn nur, wer auf eigenen Füßen steht, kann etwas gestalten, Freude erfahren und Freude weitergeben. Hilfe zur Selbsthilfe, dieses Konzept wird die Arbeit der Walter Blüchert Stiftung daher auch im Jahr 2018 prägen.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr 2018.

Ihr

Gunter Thielen



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