BARRIEREN ÜBERWINDEN: HILFE, DIE ANKOMMT.

Häufig gestellte Fragen / FAQ

Wer ist Walter Blüchert?

Walter F. Blüchert (1920–2007) war Finanzmakler und Verleger, der nach dem Besuch der Volksschule und einer kaufmännischen Fachschule zunächst als Schriftsetzer beim „Weserkurier“ arbeitete. 
1950 gründete er den Blüchert Verlag und erwarb die Rechte für Disney Publikationen im Nicht-Comic-Bereich, unter denen sich so beliebte Titel wie „Bambi“ oder „Dumbo“ befanden. In den Folgejahren wurde er zum Finanzmakler, der Firmentransfers sowohl für Bertelsmann Firmenchef Reinhard Mohn als auch für Verleger Axel Springer durchführte.
Da Walter Blüchert selbst in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, war ihm Hilfe für notleidende Menschen ein wichtiges Anliegen.

Wer hat die Walter Blüchert Stiftung gegründet?

In seinem Testament hat Walter F. Blüchert sowohl den Stiftungszweck definiert als auch Prof. Dr. Gunter Thielen zu seinem Testamentsvollstrecker berufen, den er aus gemeinsamen Jahren bei der Bertelsmann AG kannte. 
Nach dem Tod des Stifters im Jahr 2007 gründete Dr. Gunter Thielen die Walter Blüchert Stiftung mit Stiftungssitz in Hamburg und Verwaltungssitz in Gütersloh. Unter seinem Vorsitz hat die Stiftung ihre aktive Arbeit im Jahr 2012 aufgenommen.

Welchen Zweck hat die Walter Blüchert Stiftung?

Die Walter Blüchert Stiftung hat den Auftrag, Menschen in Not zu helfen.  Durch ihre Programme und Projekte unterstützt die Stiftung sie dabei, System-Barrieren zu überwinden und wieder produktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können.

Was sind System-Barrieren?

Starre, undurchlässige Strukturen in unserer Gesellschaft bauen System-Barrieren auf – oftmals über Jahrzehnte hinweg. Die Walter Blüchert Stiftung beobachtet solche Barrieren vor allem im Bereich Bildung, bei der Integration oder bei der Sozial- und Steuergesetzgebung in Bund und Ländern: von mangelnden Angeboten für Kinder und Alleinerziehenden in ökonomischen Risikolagen über die zahllosen Regelungen zur Vollzeit- und Berufsschulpflicht bis hin zu den Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse oder der Integration von unbegleiteten Flüchtlingskindern.
 
Auch komplizierte Regelwerke, Gesetze und Strukturen stellen häufig unüberwindbare Barrieren dar: Viel zu vielen Menschen gelingt es deshalb nicht, eine reibungs- und lückenlose Bildungs-, Ausbildungs- und Berufslaufbahn in Deutschland zu absolvieren. Wer zum Beispiel einmal auf der Straße gelebt hat, weil alleinerziehende Eltern überfordert waren oder weil er aus einem konfliktgeladenen Umfeld kommt, wird nicht mehr gefördert oder unterstützt – und landet oft schon mit 16 Jahren bei Hartz IV.
  
Die Walter Blüchert Stiftung setzt sich dafür ein, diese System-Barrieren zu überwinden. Sie möchte über ihre Projekte Selbstvertrauen vermitteln, Kompetenzen fördern und produktive Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. Ihre Best Practices zeigen Wege dazu auf und belegen den Gewinn, den auch Wirtschaft und Gesellschaft durch diesen beispielhaften Ansatz erzielen. 

Wen fördert die Walter Blüchert Stiftung, und wer kann Fördermittel beantragen?

Die Walter Blüchert Stiftung engagiert sich in drei Bereichen: Sie unterstützt im Einzelfall. Sie etabliert eigene, neue Programme. Und sie fördert Organisationen mit bewährten Projekten, die Menschen helfen, ihr Potenzial zu entwickeln und Lebenskrisen zu meistern.

Ziel aller Projekte und Programme ist es, die Betroffenen in die Lage zu versetzen, System-Barrieren zu überwinden und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilzuhaben.

Projektanträge, die diesen Förderschwerpunkten entsprechen, sollten sich zudem am „Social Reporting Standard“ (SRS) orientieren, um das Antragsverfahren zu erleichtern und transparent zu gestalten.

Ein Recht auf Förderung besteht nicht.

Welche Themenschwerpunkte hat die Walter Blüchert Stiftung?

Die Vision der Walter Blüchert Stiftung ist es, einen nachhaltigen Beitrag zum Überwinden gesellschaftlicher Barrieren zu leisten. Sie setzt sich daher für durchlässige, unterstützende und fördernde gesellschaftliche Strukturen ein, die allen Menschen eine gerechte Teilhabe am sozialen und wirtschaftlichen Leben erlauben. 
Demzufolge reicht die Palette der Projekte von der Förderung besonders herausgeforderter Grundschulkinder, Hauptschüler oder unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge bis hin zur Unterstützung für Alleinerziehende und Senioren.  
Um mit ihrer Arbeit die bestmöglichen individuellen und gesellschaftspolitischen Ergebnisse zu erzielen, fördert, entwickelt und verbreitet die Walter Blüchert Stiftung Best Practices.  
Diese Best-Practice-Projekte haben sich darin bewährt, Menschen zu helfen, deren weitere Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben im aktuellen System so gut wie aussichtslos erschien. Alle Projekte werden zur Prüfung ihrer Wirkungskette und Effizienz wissenschaftlich begleitet.

Wie arbeitet und finanziert sich die Walter Blüchert Stiftung?

Die Walter Blüchert Stiftung möchte, dass ihre Hilfe direkt ankommt. Deswegen arbeitet sie mit einem kleinen, effizienten Stab von insgesamt zehn Personen und bedient sich im Bedarfsfall externer Experten. Die von Walter Blüchert gegründete Visella Stiftung in Liechtenstein verwaltet ein Vermögen von etwa 200 Mio. Euro. Die Erträge daraus werden satzungsgemäß der Walter Blüchert Stiftung zur Verfügung gestellt, die damit auf Antrag ihre Projekte finanziert.
Vorstandsvorsitzender der Walter Blüchert Stiftung ist Prof. Dr. Gunter Thielen, der zuvor als Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung und Aufsichtsratsvorsitzender der Bertelsmann AG (heute Bertelsmann SE & Co KGaA) tätig war. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende ist Ingrid Kramer.

Wieso spricht die Walter Blüchert Stiftung von Barrieren?

Die Walter Blüchert Stiftung geht davon aus, dass wesentlich mehr Menschen aktiv und produktiv am Gemeinschaftsleben teilhaben können als dies derzeit der Fall ist.

Diese Menschen sind nach Überzeugung der Stiftung weder „benachteiligt“, „hilfsbedürftig“ oder „bildungsfern“ – sondern sie werden von außen durch Barrieren „eingeschränkt“, „gehemmt“ oder „von der Bildung ferngehalten“. Diese Barrieren finden sich unter anderem in einem starren Bildungssystem oder schwierigen Übergängen innerhalb des Systems, in Ausgrenzungsmentalitäten oder Gesetzen, die Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe so gut wie unmöglich machen.

Um den positiven, auf motivierte Selbstverantwortung zielenden Ansatz der Programme zu unterstützen, verzichtet die Stiftung auf möglicherweise stigmatisierende Bezeichnungen – und möchte so auch sprachliche Barrieren überwinden.

Was sind die aktuellen Projekte zur Überwindung von System-Barrieren?

Aktuell engagiert sich die Walter Blüchert Stiftung in vier eigenen Programmen

 

angekommen in deiner Stadt: angekommen richtet sich an Flüchtlinge und Zuwanderer zwischen 16 und 25 Jahren, die in Deutschland einen Schulabschluss machen und einen Beruf erlernen wollen. Der besondere Fokus liegt auf minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen. Das Programm startete 2015 mit einem Projekt in Dortmund in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW und der Stadt Dortmund. 2016 starteten weitere angekommen-Projekte in Münster, Bielefeld und im Kreis Recklinghausen. Das Flüchtlingsprogramm ruht auf zwei Säulen: Maßgeschneiderter, an Biografie und Leistungsstand orientierter Unterricht für einen schnellen Schulabschluss sowie Start in eine Berufsausbildung bei kontinuierlicher Begleitung und Betreuung an einem festen und sicheren Ort - auch nach dem Unterricht. Für junge Flüchtlinge und Zugewanderte: Schule, die passt.

 

hochform - Förderung für Akademiker mit Flüchtlingsstatus: Die Walter Blüchert Stiftung und die Deutsche Universitätsstiftung haben gemeinsam das Kooperationsprojekt „hochform“ entwickelt: ein nachhaltig wirksames Programm, das Akademiker mit Flüchtlingsstatus mit persönlichem Eins-zu-eins-Coaching durch das Zusatz-Studium begleitet. Es hilft ihnen, Barrieren zu überwinden, so dass sie in kürzester Zeit einen qualifizierten Abschluss machen können und fit werden für den deutschen Arbeitsmarkt.


was geht! - Rein in die Zukunft! : Berufsorientierung für junge Schülerinnen und Schüler. Die Walter Blüchert Stiftung setzt sich dafür ein, dass Jugendliche verschiedener Schulformen den Übergang von der Schule ins Berufsleben erfolgreich gestalten können. Die Stiftung startete daher 2014 in Gütersloh ein Pilotprojekt, das Jugendliche mit weniger günstigen Startvoraussetzungen, aber deutlichen Potenzialen und Stärken fördert (ab September 2016 auch in Dortmund). Das Ziel: Möglichst viele Schülerinnen und Schüler sollen fit werden für den Arbeitsmarkt – oder sich für den nächsthöheren Schulabschluss qualifizieren.


wir2: Ein Bindungstraining für Alleinerziehende mit Kindern im Vorschulalter. Wir wollen erreichen, dass es Alleinerziehenden und ihren Kindern besser geht. Dafür haben wir ein Bindungstraining entwickelt, in dem sie sich stark machen können für das Leben als Familien-Alleinverantwortliche. „wir2“ ist ein bindungstheoretisch fundiertes Elterntraining, das insgesamt 20 Sitzungen umfasst. Es wird aktuell bundesweit ausgerollt.

 

Zudem fördert die Stiftung weitere Projekte und Programme

 

ABAKUS - Mein Leben zählt: ein Pilotprojekt mit der Diakonischen Stiftung Wittekindshof für traumatisierte Kinder und Jugendliche mit Behinderung. Die Walter Blüchert Stiftung startete Anfang 2015 gemeinsam mit der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen das Pilotprojekt. Das Vorhaben soll Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung helfen, die ein Trauma erlitten haben.


dreizeit: Im Programm Dreizeit engagieren sich Senioren (ab 55 Jahren) in Dortmund und Bochum für Schülerinnen und Schüler des 2. Schuljahres, um gemeinsam die Umgebung zu erkunden und voneinander zu lernen. Die Walter Blüchert Stiftung und die Prof. Otto Beisheim-Stiftung finanzieren das Programm. Die Koordination liegt bei der gemeinnützigen wert-voll GmbH, Dortmund.


Durchstarten in die Ausbildung: ein Förderprojekt für Jugendliche im Kreis Gütersloh und in Ostwestfalen. Mit dem Projekt hat sich die Walter Blüchert Stiftung das Ziel gesetzt, schwer vermittelbaren Auszubildenden eine Lehrstelle zu verschaffen. Die Walter Blüchert Stiftung finanziert dabei einen wesentlichen Teil der Ausbildungskosten.

 

Ergänzende Kinderbetreuung und Notfallbetreuung für Einelternfamilien: ein Kooperationsprojekt mit dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter e. V. (VAMV). Ziel ist es, Alleinerziehende zu unterstützen und exemplarisch zu zeigen, welche stabilisierende Wirkung eine passende flexible Kinderbetreuung auf die wirtschaftliche Situation in Einelternfamilien haben kann.

 

FörBi: eine Projektförderung an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaften der Universität Bielefeld. Zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler in Bielefeld haben einen Migrationshintergrund. FörBi unterstützt in drei Förderjahren rund 900 von ihnen, die dadurch in der Sekundarstufe I und II ihre Leistungen verbessern können - nicht nur in der deutschen Sprache.


SchlaU-Schule: Das Münchener Bildungsprojekt verhilft minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingskindern durch schul-analogen Unterricht zu anerkannten Schulabschlüssen. Für dieses Projekt überlegt die Stiftung eine Ausweitung des Engagements.

 

Drei Projekte wurden abgeschlossen:

 

Zeig, was Du kannst!: In diesem Programm der Stiftung der Deutschen Wirtschaft unterstützt die Walter Blüchert Stiftung gemeinsam mit anderen Partnern über drei Jahre Hauptschüler in Bielefeld und Osnabrück beim Erwerb ihres Schulabschlusses sowie beim Übergang in das Berufsleben.

 

Balu und Du: In diesem ehrenamtlichen Patenschafts-Projekt kümmern sich junge Studierende ein Jahr lang um durch Barrieren im Umfeld eingeschränkte Grundschüler. Die Freundschaften der Mentoren tragen bei den Kindern zu Stabilität im Alltag und mehr Selbstvertrauen bei. Die Stiftung unterstützte die bundesweite Ausbreitung des Programms.

 

Justus Delbrück Haus: An der polnischen Grenze, im ehemaligen Bahnhof Jamlitz, ist in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Karuna/Berlin eine Auffang- und Demokratiebildungsstätte für Jugendliche mit Suchthintergrund entstanden. Die Walter Blüchert Stiftung engagierte sich durch die Vergabe von Stipendien für mehr gesellschaftliche Teilhabe dieser Jugendlichen.