13.11.2015
Gunter Thielen fordert zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20.11.2015 mehr Taten statt Worte

Hauptaufgabe der Gesellschaft und der Politik ist die chancengerechte gesellschaftliche Teilhabe aller Kinder

Der Internationale Tag der Kinderrechte am 20. November wird vermutlich Anlass zahlreicher Statements und Aufrufe sein. 1989 wurde die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verabschiedet. 1992 hat Deutschland das Abkommen ratifiziert – wenn auch unter Vorbehalt. 1996 wurde eine „National Coalition“ mit mehr als 100 Organisationen ins Leben gerufen, die die Kinderrechtskonvention bekannt machen wollte. Mit wenig Erfolg.  Jedes Kind ist gleich viel wert, und alle Kinder haben die gleichen Rechte. So steht es in dem Abkommen, dem übrigens die USA als einziges Land bisher die Unterschrift verweigern. Jedes Kind auf der Welt hat das Recht auf Fürsorge und Gesundheit, Spielen und Lernen, Schutz vor Gewalt, aber auch das Recht auf Mitsprache.  Auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten Vieles erreicht wurde: Aktuelle Zahlen signalisieren nach wie vor weltweit Handlungsbedarf – auch in unserem Land. <b>Systembarrieren</b> Ja, alle Kinder haben das Recht auf Bildung, das Recht, zu lernen und eine Ausbildung zu machen, die ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht. Aber auch bei uns in Deutschland tragen immer wieder Systembarrieren oder soziale und persönliche Hindernisse dazu bei, dass die Fähigkeiten und Talente junger Menschen nicht ausreichend gefördert werden. Deshalb haben wir uns in der Walter Blüchert Stiftung zur Aufgabe gemacht, Projekte zu entwickeln und zu fördern, die zeigen, wie sich die vorhandenen Probleme lösen lassen. <b>Recht auf Bildung</b> Wir sind überzeugt, dass es viele Möglichkeiten gibt, insbesondere Kindern und Jugendlichen die Übergänge im Leben zu erleichtern und ihnen den Weg zu ebnen, allen Widrigkeiten zum Trotz in eine Ausbildung zu starten oder weiterführende Schulen zu besuchen. In unserem Modellprojekt <b>was geht!</b> helfen wir in Gütersloh Realschülerinnen und -schüler dabei, ihre Stärken zu entdecken, sich Ziele zu setzen und sich erfolgreich zu entwickeln. Und auch mit unserem Projekt <b>Durchstarten in die Ausbildung</b> unterstützen wir ehrenamtliche Helfer dabei, Jugendlichen trotz schwieriger Voraussetzungen in eine Ausbildung zu vermitteln, indem wir einen Zuschuss zu den Ausbildungskosten geben und intensive persönliche Betreuung garantieren. Für uns wie auch für unsere engagierten Mitstreiter ist es eine große Freude zu erleben, wie unsere Arbeit den Jugendlichen, den Ausbildungsbetrieben hilft und letztendlich unserer Gesellschaft insgesamt zugutekommt.  <b>Kinder sind keine Privatsache</b> Kein Kind darf wegen seiner Herkunft benachteiligt werden, heißt es in der UN-Kinderrechtskonvention. Das bedeutet, dass unsere Gesellschaft auch verpflichtet ist, den Müttern und Vätern bei Problemen zu helfen, die sich auf die Kinder auswirken können. Der Verein Alleinerziehender Väter und Mütter setzt sich zum Beispiel für eine flexible <b>Kinder-Notfallbetreuung</b> ein: Die Walter Blüchert Stiftung finanziert <b>drei Modellprojekte</b>, die exemplarisch aufzeigen, welche kreativen Lösungen möglich sind. Die Kommunen sind gefragt, diese Projekte zu unterstützen! Denn Kinder sind keine reine Privatangelegenheit. Die Förderung ihrer Entwicklung und ihr Schutz sind auch eine öffentliche Aufgabe. <b>Präventives Bindungstraining hilft den Kindern</b> Mit dem Projekt <b>wir2</b> für Alleinerziehende und ihre Kinder baut die Walter Blüchert Stiftung - gemeinsam mit Professor Dr. Matthias Franz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf - ein Programm auf, das Einelternfamilien durch professionelles Bindungstraining hilft, Stress abzubauen, mehr Stabilität und Selbstvertrauen im Alltag zu gewinnen und dadurch gesundheitliche Probleme zu reduzieren – sowohl bei den Alleinerziehenden als auch bei ihren Kindern.  Dabei sehen wir auch unsere Gesellschaft in der Pflicht, diesen Kindern durch Präventionsprogramme wie <b>wir2 </b>zu ihrem Recht auf Gesundheit zu verhelfen, indem sie die Gesundheit von Mutter oder Vater fördert. Gerade konnten wir die Caritas sowie die Erzdiözese Köln als Mitstreiter gewinnen. Je mehr sich für <b>wir2</b> engagieren, desto mehr Alleinerziehende und ihre Kindern gewinnen wieder mehr Freude am Leben. <b>Fürsorge und Förderung für Trauma-Kinder</b> 
Es versteht sich von selbst: Kinder mit Intelligenzminderung haben das Recht auf besondere Fürsorge und Förderung, damit sie aktiv am Leben teilnehmen können. Als wir in der Walter Blüchert Stiftung erfuhren, dass es bisher für diese Kinder keine traumapädagogischen Konzepte gibt, haben wir beschlossen, gemeinsam mit dem Wittekindshof in Bad Oeynhausen ein Pilotprojekt zu entwickeln.  Das Programm <b>ABAKUS – Mein Leben zählt!</b> will traumatisierten Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung Linderung bei ihrem Leiden verschaffen, und zwar durch eine intensivpädagogische, bindungsorientierte stationäre und ambulante Begleitung. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der so einen Modellversuch nicht finanzieren kann, wird das Programm bei erfolgreicher Evaluation weiterführen. Das <b>ABAKUS</b>-Projekt ist ein Beispiel dafür, dass Stiftungen nicht allein mit Geld, sondern oft auch mit kreativen Ideen und dem Beschreiten neuer Wege einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. <b>Straßenkinder bestimmen mit
</b> Mitbestimmung für Straßenkinder! Das Projekt <b>Justus Delbrück Haus</b>, das die Walter Blüchert Stiftung zusammen mit Karuna e.V. in Berlin realisiert hat, zeigt modellhaft auf, wie es gelingt, diesen Kindern und Jugendlichen selbstbestimmt neue Chancen zu eröffnen. Denn auch sie haben ein Recht auf gesellschaftliche Teilhabe und das Recht, ihre Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse frei zu äußern.  Im ehemaligen Bahnhof Jamlitz nahe der deutsch-polnischen Grenze finden Jugendliche aus ganz Deutschland, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist, eine Demokratie-Bildungsstätte, die ihnen  Möglichkeiten der Mitgestaltung bietet. Diese Erfahrungen tragen aktiv zur Stärkung der Persönlichkeit bei und fördern die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. <b>Flüchtlingskinder: akuter Handlungsbedarf</b> Die UN-Kinderrechtskonvention gilt für alle Menschen, die noch nicht volljährig sind. Auch ein ausländisches Kind darf nicht anders und nicht schlechter behandelt werden als ein einheimisches, muss die gleichen Chancen auf gesundheitliche Versorgung, Bildung und Mitbestimmung haben.  Eine UNICEF-Studie von 2014 kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass Flüchtlingskinder bei uns deutlich benachteiligt werden.  Durch die Vielzahl der Flüchtlinge spitzt sich die Lage weiter zu. Viele Kommunen sind vom Andrang überfordert, haben kaum Kapazitäten, den akuten Handlungsbedarf zu erfüllen. Zum Glück können sie auf zahlreiche hochengagierte ehrenamtliche Helfer und gemeinnützige Organisationen zurückgreifen und deren Ressourcen einplanen. Hier zeigt sich die Stärke unserer Zivilgesellschaft!  <b>Angekommen: Land, Stadt und Stiftung kooperieren</b> Auch als Stiftung sind wir gefragt – und zwar nicht nur kurzfristig, sondern möglichst nachhaltig zur Lösung der Probleme beizutragen. Zusammen mit der Stadt Dortmund und dem NRW-Schulministerium hat die Walter Blüchert Stiftung das Modellprojekt <b>angekommen in deiner Stadt Dortmund</b> entwickelt. Das Programm bezieht derzeit mehr als 400 junge Flüchtlinge und Zuwanderer zwischen 16 und 25 Jahren ein. Es ruht auf zwei Säulen: maßgeschneiderter, an Biografie und Leistungsstand orientierter Unterricht in flexiblen Klassen für einen schnellen Schulabschluss sowie Vorbereitung auf eine Berufsausbildung bei kontinuierlicher Begleitung und Betreuung an einem festen und sicheren Ort – auch nach dem Unterricht und in den Ferien. Das Dortmunder Pilotprojekt soll und wird Schule machen. Denn es zeigt einen Weg auf, wie sich das Recht auf Bildung für die zugewanderten Kinder und Jugendlichen verwirklichen lässt. Inzwischen interessieren sich auch weitere Städte wie Münster, Bielefeld und der Landkreis Recklinghausen für das <b>angekommen</b>-Modell. Es sei noch einmal betont: Stiftungen können nicht die Aufgaben des Staates oder der Kommunen übernehmen. Aber sie können auf Handlungsbedarf aufmerksam machen und Projekte entwickeln und mit finanzieren, die modellhaft sichtbar machen, wie Problemlösungen funktionieren können. Oft sind nicht nur Finanzmittel, sondern kreative Herangehensweisen und neue Denkansätze ausschlaggebend für den Erfolg. Es bleibt eine Hauptaufgabe der Gesellschaft und der Politik, Kindern aus den verschiedensten sozialen und finanziellen Hintergründen eine chancengerechte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Denn Kinder sind nicht nur die Zukunft. Ihre Rechte gelten schon heute – für jedes Kind. Ihr  Gunter Thielen



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