27.04.2020
Corona-Krise: Weshalb Solidarität so wichtig ist

Die Corona-Krise stellt unsere Gesellschaft vor gewaltige Herausforderungen – im Kleinen wie im Großen, jeden einzelnen und alle gemeinsam, national wie international. Was ist zu tun? Was ist zu lassen? Seit Ausbruch der Pandemie ist in Deutschland vor allem ein Wort in aller Munde: Solidarität. Politiker, Virologen, Soziologen, Wirtschaft und Gewerkschaft fordern von den Bürgern solidarisches Handeln. Und wir können feststellen: Es funktioniert.

In diesen Zeiten ist Solidarität die Antwort auf Corona. In der jetzigen Situation heißt das: körperliche Kontakte vermeiden, um sich und andere zu schützen. Wir handeln solidarisch, wenn wir zu Hause bleiben, Abstand halten, Mundschutz tragen. Die Basis für dieses solidarische Handeln ist Vertrauen: dass die Entscheidungen richtig und angemessen sind, dass alle Bürger die vorgegebenen Maßnahmen einhalten und diejenigen Unterstützung erhalten, die unter den Kontakt-Beschränkungen leiden.

Solidarität setzt Respekt und Empathie gegenüber den Mitmenschen voraus sowie das Vertrauen auf wechselseitige Unterstützung und Hilfe. Wenn unser Gemeinwesen von einzelnen verlangt, Eigeninteressen zurückzustellen und sogar freiwillig Nachteile in Kauf zu nehmen, können die Betroffenen im persönlichen Notfall auf die Solidarität des Gemeinwesens vertrauen.

Sie brauchen unsere Solidarität

Vor allem für Ältere, für Personen mit Vorerkrankungen und Menschen mit schlechtem Zugang zum Gesundheitssystem besteht das Risiko, dass eine Corona-Infektion einen besonders schweren Verlauf hervorruft. Gefährdet sind auch Menschen mit Sprachbarrieren, abgeschnitten von Bildung und Information, mit wenig Gesundheitsbewusstsein und schlechter Ernährung. Diese Betroffenen müssen von der Gemeinschaft geschützt werden.

Die Kontaktbeschränkungen treffen diejenigen besonders hart, die mit Einsamkeit kämpfen oder häusliche Gewalt befürchten müssen. Geschlossene Kindergärten, Spielplätze und Schulen stellen Eltern und insbesondere Alleinerziehende vor große Herausforderungen.

Und wenn Schulküchen, Mensen, Suppenküchen und Tafeln schließen, leiden Einkommensschwache mit ihren Kinder genauso wie Obdachlose. Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, fehlende Trinkgeldern: Finanzielle Einschränkungen machen vor allem Menschen mit Niedriglöhnen wie Verkäuferinnen, Kellnern, Taxifahrern, Hilfskräften oder Zeitarbeitern zu schaffen. Sie alle brauchen die Solidarität unserer Gesellschaft.

Von staatlichen Hilfsprogrammen bis zur Nachbarschaftshilfe

Die Corona-Krise zeigt: Wir können solidarisch handeln und uns auf die Solidarität der anderen verlassen. Die Menschen – Alt und Jung – nehmen Rücksicht und halten Abstand. Die Regierung beschließt gewaltige Hilfsprogramme und Rettungsschirme für Betroffene. Zahlreiche soziale Organisationen wie zum Beispiel die KARUNA-Obdachlosenlotsen in Berlin, Künstler und Kulturschaffende – nicht nur in Deutschland – sammeln Spenden für diejenigen, die unter den Corona-Maßnahmen leiden. Die Deutschen Stiftungsakademie (DAS) stellt im Rahmen der Initiative „Stiftungsarbeit in Corona-Zeiten“ kostenfreie Online-Sprechstunden an. Für Alleinerziehende in Nordrhein-Westfalen hat der Landesverband des VAMV (Verband alleinerziehender Mütter und Väter) eine Krisen-Hotline eingerichtet. Bei ihrer Aktion „Maske auf - Nähen für Gütersloh“ erfährt die Gütersloher Bürgerstiftung breite Unterstützung von vielen ehrenamtlichen Näherinnen und Stoff-Spendern.

Überall gibt es private Nachbarschafts-Helfer, die Risikogruppen im Alltag unterstützen, Einkäufe erledigen, mit Hunden Gassi gehen, Mundschutz-Masken nähen und vieles mehr. Beispiele für gelebte Solidarität.

Projekt-Erfahrung der Stiftung nutzen

Anhand Projekt-Erfahrungen unserer Stiftung wissen wir: Für die besonders verletzliche Gruppe der Alleinerziehenden und ihre Kinder, die sehr unter den sozialen und wirtschaftlichen Corona-Einschränkungen leiden, ist es wichtig, dass Ärzte, Jugendämter und Kommunen diese Risikogruppe im Auge behalten. Denn auch nach der Corona-Krise besteht Unterstützungsbedarf. Hilfsangebote stehen bereit, um den zu erwartenden psychosomatischen Folgen zu begegnen.

Wirksame Hilfe für belastete Alleinerziehende bieten beispielsweise die Celenus-Kliniken in Bad Schömberg und im sächsischen Bad Elster mit der Rehabilitationsmaßnahme „wir2Reha“ an – ein stationäres Programm für Mütter mit begleitender Kinderbetreuung. Ambulant kann das „wir2“-Elterntraining strapazierten und gesundheitlich gefährdeten Müttern und Vätern helfen.

Mit unserem Stiftungsprojekt „neustart“ engagiert sich die Walter Blüchert Stiftung seit etwa einem Jahr für (langzeit-) arbeitslose Menschen und auch Personen, die unmittelbar von Arbeitslosigkeit bedroht sind, weil sie ihren gelernten Beruf nicht länger ausüben können. Ziel ist es, die Betroffenen für die erfolgreiche Aufnahme einer Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Dieses Programm kann auch Menschen helfen, die von Corona-Auswirkungen betroffen sind. Beim „neustart“-Pilotprojekt in Dortmund werden Teilnehmende beispielsweise zu Steuerfachangestellten, Berufskraftfahrern, Altenpflegern, Erziehern oder Verkäufern ausgebildet.

Wir brauchen einander!

Ich bin wirklich beeindruckt von der Solidarität der Bürger in unserem Land, vom gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und ich hoffe, dass wir diejenigen nicht aus den Augen verlieren, die ihre Stimme nicht erheben können, weil sie sich aufgegeben haben, weil sie ausgegrenzt sind – ohne Chancen auf sozialen Teilhabe.

Wenn diese furchtbare Pandemie, die weltweit eine gewaltige soziale und wirtschaftliche Krise hervorgerufen hat, uns etwas lehrt, dann doch dieses: Wir sind aufeinander angewiesen, wir brauchen einander. Ohne Solidarität lässt sich die Krise nicht meistern. „Das Virus kann jeden treffen, und es liegt in unserer kollektiven Verantwortung, sicherzustellen, dass die globale Reaktion alle Menschen einschließt“, sagt Filippo Grandi, der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge.

Von Helden des Alltags ist dieser Tage oft die Rede: die Menschen an den Supermarkt-Kassen, die Helfer in Altenheimen, Pfleger, Krankenschwestern, Reinigungskräfte, auch das Personal bei der Post, in den Gesundheitsämtern und Behörden, die sich im Schichtdienst auch an Sonn- und Feiertagen um unsere gesundheitlichen und finanziellen Probleme kümmern. Gerade sie stellen ihre gesellschaftliche Solidarität täglich unter Beweis. Das sollten wir auch nach der Krise nicht vergessen.

Gemeinsam durchhalten ist die Devise. Es wird ein Marathon, da sind sich die Experten sicher. Ungeduld und Leichtsinn können wir uns nicht leisten. Wir müssen achtsam und aufmerksam bleiben, damit wir es gemeinsam schaffen. „Die Solidarität, die wir jetzt erleben, brauchen wir in Zukunft noch umso mehr, wenn es um die Bewältigung der Corona-Folgen geht“, mahnt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Ja, wir brauchen einander – das steht fest. Wir müssen und können auf die Solidarität unseres Gemeinwesens vertrauen. Und jeder kann dazu beitragen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt nicht bröckelt – auch nach der Krise.

Also: Bleiben Sie gesund! Das wünscht Ihnen

Ihr Gunter Thielen



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