FORUM kreativraum – Wissenswerkstadt Bielefeld 5. Mai 2026
FORUM kreativraum – Wissenswerkstadt Bielefeld 5. Mai 2026
Kreativ ausprobieren, Motivation entdecken und eigene Talente entfalten!
Vor drei Jahren rief die Walter Blüchert Stiftung den kreativraum mit Begleitung eines pädagogischen Teams aus Gütersloher Grundschullehrerinnen ins Leben.
Weiterlesen „Die Anfänge“
Die Anfänge
Der Start von kreativraum an 11 von 17 Grundschulen in Gütersloh wurde gemeinsam mit einem pädagogischen Team gestaltet, das uns ein Jahr lang begleitet hat.
Beteiligt waren die Schulleiterinnen Miriam Henze (GS Heidewald), Manuela Drees
(GS Kattenstroth), Sabina Thomas (GS Avenwedde-Bahnhof), Claudia Damian
(GS Isselhorst) und Kerstin von Lojewski (damals GS Sundern, heute GS Kattenstroth); sie hatte zuvor die Idee einer „Junior Uni“ an die Stiftung herangetragen und das Vorhaben damit initiiert. Geleitet wurde dieses Team vom ehemaligen Schulleiter des städtischen Gymnasiums, Herrn Dr. Sigfried Bethlehem.
Das Vorgehen insgesamt konnte im Rahmen des Programms „Zukunftspaket“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) umgesetzt werden und wurde begleitet von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Im Zentrum des „Zukunftspakets“ stand die Mitbestimmung von Kindern bei Projekten, die ihnen zugutekommen sollen. Im kreativraum wurde dies durch
32 Kinderexpert:innen realisiert, die ihre Workshops mit digitalen Tagebüchern dokumentiert haben, sowie einen Zukunftsworkshop.
Seitdem ist das Programm stark gewachsen: Heute wird es an mehr als 60 Schulen sowie RTL-Kinderhäusern angeboten. Jährlich finden rund 300 Workshops statt, und in den vergangenen drei Jahren haben bereits etwa 7.500 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Ein guter Anlass, um gemeinsam Bilanz zu ziehen und nach vorne zu blicken.
Am 5. Mai.2026 kamen dafür über 130 Bildungsexpert:innen in der Wissenswerkstadt Bielefeld zusammen, um voneinander zu lernen und ihre Erfahrungen aus den vergangenen zwei Jahren an den 14 kreativraum-Standorten auszutauschen.
Video: Carsten Panitz
Im Namen des Vorstands der Walter Blüchert Stiftung, Prof. Dr. Gunter Thielen und Ingrid Kramer, begrüßte Dr. Stefan Ludwigs die Gäste. Er betonte, wie prägend inspirierende Momente für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen sein können – und wie wichtig es ist, Räume zu schaffen, in denen genau diese Erfahrungen möglich werden.
Diesen Gedanken griff auch Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer in ihrem Grußwort auf. Sie wünschte dem kreativraum weiterhin viel Erfolg und unterstrich, wie bedeutsam ganzheitliches Lernen ist, das Kinder und Jugendliche nicht nur fachlich stärkt, sondern sie auch in ihrer persönlichen Entwicklung begleitet und inspiriert.
Mit viel Energie und sichtlich stolz präsentierten die Schüler:innen Luna Amsel, Elisa Ceylan, Elina Gioroglu, Emilia Möhrlin und Oskar Zinnert von der Grundschule Heidewald in Gütersloh ihren Dokumentationsfilm über ihre Besuche in anderen Workshops – entstanden gemeinsam mit dem kreativraum-Experten Marvin Albertsmeyer.
Auch die Schülergruppe der Ernst-Hansen-Schule in Bielefeld war mit einem Workshop-Film präsent, das Making-Of einer typischen Schulszene, präsentiert vom Videoexperten Carsten Panitz.
Ein besonderes Highlight der Veranstaltung: Bildungsinnovator und Träger des Deutschen Schulpreises Stefan Ruppaner erklärte, warum „Unterricht Zeitverschwendung“ sei – und hinterließ bei vielen einen bleibenden Eindruck. Keine Klassen, keine Noten, keine klassischen Lehrerrollen … Wow!
Die „Schmetterlingspädagogik“ an der Alemannenschule Wutöschingen, an der Stefan Ruppaner als Rektor tätig ist, besteht aus den beiden Flügelseiten „Selbstorganisiertes Lernen“ und „Lernen durch Erleben“. Es gibt keine Klassenräume, Stundenpläne und Schulbücher, dafür einzelne Arbeitsplätze in großen Lernlandschaften, Tablets für alle und neue schulinterne Begriffe wie „Schmetterlingspädagogik“ oder „DiLer“. Die Lehrer:innen sind hier Lernbegleiter:innen, die Schüler:innen nennen sich Lernpartner:innen. Sie lernen selbstorganisiert und wählen selbst, mit welchen Themen sie sich wann, wie lange und in welcher Form und auf welchem Niveau beschäftigen. Sie können dabei auch selbst entscheiden, welche Materialien und Unterstützungsangebote sie dafür nutzen.
Dr. Ewa Bacia vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Berlin präsentierte zudem ermutigende Zwischenergebnisse der dreijährigen Evaluation:
* kreativraum eröffnet neue Erfahrungsräume, in denen Kinder ausprobieren, experimentieren und eigene Interessen entdecken können.
* Das stärkt Selbstwirksamkeit, Motivation und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.
* Die Vielfalt der Angebote – von Kunst über Fotografie bis Robotik und Hydroponik – spricht unterschiedliche Interessen an und eröffnet vielfältige Wege, sich auszuprobieren.
* kreativraum setzt konsequent bei den Stärken der Kinder an. Potenziale stehen hier im Vordergrund.
Ihre Erkenntnisse fließen ganz im Sinne der formativen Evaluation kontinuierlich in die weitere Ausgestaltung der kreativräume an den Standorten ein.
Zeichnerisch wurde der Tag von der „graphic recorderin“ Melanie Flore festgehalten, die Sie hier in Aktion sehen. Dabei entstand eine eindrucksvolle "Landkarte der kreativräume".
Fotos: Eliane Hobbing
Großartig – Interviews, die Freude machen
Unsere Nachwuchsreporter:innen Luna Amsel, Elisa Ceylan, Elina Gioroglu und Oskar Zinnert haben am Rande des Forum kreativraum weitere Erfahrungen im Themenfeld „Medien“ sammeln können. Ihre Interviews machen Freude – sowohl bei den Interviewten, als auch bei den Zuschauer:innen.
Berichte aus den Standorten
Eine Entdeckungsreise durch die Standorte, moderiert von Dr. Stefan Ludwigs und Steffen Timmermann, offenbarte ein buntes Kaleidoskop an kreativraum-Umsetzungen.
Hier finden Sie eine
Kontaktdaten- und Themenübersicht für die Vernetzung untereinander.
In Bielefeld bauen die Kinder in ihren Schulklassen mit Spielmaterial vor, was sie schließlich im Handwerksbildungszentrum „in echt“, mit richtigen Materialen machen.
Der YouSchool-Bus kommt dazu noch als mobile Werkstatt zu den Schulen.
Dass kreativraum auch an Förderschulen nicht nur funktioniert, sondern besonders engagierte Ergebnisse bringt, zeigen die Eindrücke an der Mosaikschule in Gütersloh und der Schule am Möllerstift in Bielefeld. Organisiert wird das alles vom BAJ e.V.
Gütersloh
Im Makerspace in Gütersloh setzt Felix Kupferschmidt auf die Ideen der Kinder, die kommen, egal ob ein
elektronisches Auto, Textilien oder 3D-Druck-Accessoires.
Dortmund
Die eigene Begeisterung weitergeben: Im Peer-Learning-Ansatz von Dortmund, gemeinsam mit der GLS Zukunftsstiftung Bildung (Sophie Löhlein), produzieren die älteren Kinder gemeinsam mit den Jüngeren Hörspiele, Songs und Podcasts. Hannah Wittenberg von schul:inn.do demonstrierte entsprechende Beispiele.
Kreis Paderborn
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Kreis Paderborn mit den Schultandems: Hier besuchen Grundschüler:innen die kreativräume gemeinsam mit Schüler:innen der Sekundarstufe l, beispielsweise das Unternehmen Benteler, wo Azubis fantastische Ausprobierstationen mit 3D-Schweißen und Robotern für die Kinder vorbereiten. Carolin Wahl-Knoop, gemeinsam mit Lauren Lohse zeigten sich überaus dankbar für dieses große Engagement.
Kreis Recklinghausen
Frisch als Auszubildender grüßte Waissi Cheikhmous im Interview mit Nils Flachmeier von RE/init das Publikum per Video. In Recklinghausen besuchen Berufsschüler:innen Workshops in einer Autowerkstatt und finden dadurch manchmal ihren Lieblingsbetrieb.
RTL-Kinderhäuser
Die RTL-Kinderhäuser sind besondere Orte in den Kommunen für Kinder mit spezifischem Unterstützungsbedarf. Hier gibt es gesunde Verpflegung und gezielte Förderung, beispielsweise bei den Hausaufgaben. Das kreativraum-Angebot trifft hier genau die Zielgruppe und ist für unsere Partner der Stiftung RTL – wir helfen Kindern eine kongeniale Ergänzung.
RTL-Kinderhaus Gelsenkirchen
In Gelsenkirchen ist dieser Ort in der Manuel Neuer Kids Foundation (MANUS). Aniko Schwarz gab Einblicke in die unterschiedlichsten Projekte.
RTL-Kinderhaus Braunschweig
Sozialraumkooperation zeigt Braunschweig in besonderer Weise, wenn Schule, Kinder- und Jugendzentrum und Makerspace zusammenkommen. Lena Coenders führt in diesem Film durch die Projekte.
RTL-Kinderhaus Gifhorn
Für Gifhorn steht Medienkompetenz ganz oben auf der Liste, betonte Claudia Klement vom Kinderschutzbund.
RTL-Kinderhaus Ahlen
Elke Walther und Heike Gründken aus Ahlen verfolgen das Prinzip „follow the child“ und machten es am Beispiel des kreativen Arbeitens mit Farbe und Form anschaulich.
RTL-Kinderhaus Bremen
Auch für Bremen (Lena Kristin Teschner) steht das Kind im Vordergrund und zwar ganzheitlich und mit seinem familiär-kulturellen Kontext. Nirgends wird das so gut begreifbar, wie bei gemeinsamen Kochprojekten.
RTL-Kinderhaus München
Markus Stuchlik aus München sieht im kreativraum hauptsächlich den Impuls für weitere Teile der offenen Kinder- und Jugendarbeit.
RTL-Kinderhaus Köln
Köln betont Persönlichkeitsstärkung für Mädchen am dortigen Kinderhaus. Bea Jankowski erarbeitet dort mit 10 Grundschulen in besonders belasteten Lagen inklusive Angebote und Eltern-Kind Workshops an den Familiengrundschulzentren.
Abschließend betonte Miriam Gorek, pädagogische Leitung des Programms, nochmals die wesentlichen Grundsätze.
Wir danken allen Expert:innen und Pädagog:innen, die das Programm gemeinsam mit uns umsetzen – ebenso den Kommunen und Schulen, die Raum für freie Entfaltung schaffen.
Besonderer Dank an die Partner
Die Goldbeck Stiftung finanziert das Angebot in Bielefeld. Frau Dr. Anne Duncker (Kuratoriumsmitglied der Goldbeck Stiftung und CSR-Beauftragte des Unternehmens Goldbeck) hat sich einen Workshop angeschaut und betont: „Die Unterstützung dieses Projekts ist für die Goldbeck Stiftung ein wichtiger Beitrag zur Förderung junger Menschen. Denn je klarer Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten und Talente erkennen, desto erfolgreicher können sie ihre eigene Zukunft gestalten.“ Und so sieht Frau Duncker die Potenziale nicht nur für Talententwicklung sondern auch für Chancengerechtigkeit und Gleichberechtigung.
Die Förderpartnerschaft mit der Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V. verbindet uns in allen anderen Kommunen und an den RTL-Kinderhäusern. Melisa Menderez und Achim Tirocke aus dem Vorstand der Stiftung zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt und Professionalität der Umsetzungsbeispiele. „Jedes Kind hat das Recht auf Kindheit, auf eine Zeit zum Spielen und Entdecken – ohne Angst, Hunger und Sorgen. Dafür setzt sich „RTL – Wir helfen Kindern“ in Deutschland und auf der ganzen Welt jeden Tag nachhaltig ein – und sehr gern gemeinsam mit der Walter Blüchert Stiftung im Programm kreativraum.“
Die Dr. Ausbüttel GmbH & Co. KG fördert das Programm in Dortmund. Janne Klar vertritt das Sozialunternehmerische Engagement des Unternehmens: „Unser Fokus liegt darauf, Kinder und Jugendliche zu befähigen, damit sie ihr Leben möglichst selbstbestimmt gestalten können. Dabei ist es uns besonders wichtig, ihr soziales Umfeld einzubeziehen und positive Impulse für ihre Lebenswege zu setzen. Das Projekt kreativraum der Walter Blüchert Stiftung bietet hierfür sehr gute Voraussetzungen: Mit handlungsorientierten Methoden hilft es jungen Menschen, ihre individuellen Talente und Neigungen frühzeitig zu entdecken. So können sie bereits in jungen Jahren herausfinden, was sie mit Leidenschaft später beruflich machen möchten. Denn je früher man seine eigenen Stärken und Interessen kennt, desto besser kann man die Grundlage für eine erfüllte und selbstbestimmte Zukunft legen.
In Gütersloh fördert die CLAAS Stiftungdas Programm über Biogas-workshops an der Sägemühle Meier-Osthoff in Harsewinkel. Sylvia Looks, Vorständin der CLAAS Stiftung, macht klar: „Die CLAAS Stiftung dient dem Ziel, Bildung sowie Forschung und Innovation in der Landtechnik und in den angrenzenden ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen zu fördern. Sie möchte das Interesse junger Menschen an einer Tätigkeit im Agrarbereich durch gezielte Maßnahmen unterstützen und die zukunftsweisende Bedeutung von Landwirtschaft und Landtechnik bewusster machen. Dafür bietet der kreativraum den passenden Rahmen; wir werden unser gemeinsames Engagement verstetigen und auf weitere Themen ausweiten.“
„Der Kreis Recklinghausen sieht in seinem Förderengagement eine hervorragende Möglichkeit, für Kinder und Jugendliche einen Ort zu schaffen, an dem sie ihre Stärken und Talente entdecken, neue Interessen entwickeln und sich nicht nur als Persönlichkeit weiterentwickeln, sondern auch ihre berufliche Orientierung gezielt stärken können. Mit dem kreativraum entsteht ein Angebot, das junge Menschen im Sinne der Chancengerechtigkeit dabei unterstützt, ihre Potenziale zu erkennen, zu entfalten und sich in einem geschützten, wertschätzenden Rahmen auszuprobieren. Besonders wichtig ist uns, dass die Teilnehmenden über praktische Workshops, Coachingelemente und handlungsorientierte Ansätze mit unterschiedlichen Themenbereichen wie Handwerk, Technik, Digitales oder Kreatives Gestalten in Berührung kommen, dabei teilweise direkten Kontakt zu Ausbildungsbetrieben haben und so Impulse für ihre weitere schulische und berufliche Entwicklung erhalten.
Die Resonanz der Schulen und Teilnehmenden ist nach den ersten Workshopdurchführungen ganz hervorragend,“ betonen Dr. Richard Schröder (Fachbereichsleiter Gesundheit, Bildung und Erziehung) und Nina Franiczek (Ressortleitung Regionales Bildungsbüro).
Die Erwachsenen von links nach rechts: Ingrid Kramer (stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Walter Blüchert Stiftung), Thomas Niehoff (Vorstand, Goldbeck Stiftung), Dr. Christiana Bauer (Oberbürgermeisterin Bielefeld), Dr. Stefan Ludwigs (Vorstandsbeauftragter Walter Blüchert Stiftung), Dr. Anne Duncker (Kuratoriumsmitglied, Goldbeck Stiftung)
Die Kinder von links nach rechts: Luna Amsel, Oskar Zinnert, Elisa Ceylan, Elina Gioroglu, Emilia Möhrlin
Fotografin: Eliane Hobbing, Dortmund
Walter Blüchert Stiftung
Eickhoffstraße 5
33330 Gütersloh
Tel 05241/17949-0
Fax 05241/17949-29