Millionen von Menschen sind in Deutschland zu Beginn dieses Superwahljahres auf die Straße gegangen, um gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren – und für Demokratie. Auch Nachrichten aus anderen europäischen Ländern machen deutlich: Die westliche Demokratie steht vor immensen Herausforderungen. Dazu gehören auch Megatrends wie die Digitalisierung und der demographische Wandel. Wie kann die Demokratie auch im Wandel langfristig erhalten bleiben? Wir alle können dazu beitragen.
Im Sinne der Mitbestimmung stellt sich zunächst die Frage, ob die Forderung nach Demokratiebildung überhaupt den Wünschen der Kinder und Jugendlichen entspricht. Unter anderem gibt eine im Jahr 2023 veröffentlichte Studie der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) eine eindeutige Antwort: Kinder wünschen sich mehr Mitbestimmung, vor allem im Unterricht und bei Lernzielkontrollen*. Wer in seinem Alltag mit Kindern zu tun hat, wird das für andere Lebensbereiche bestätigen.
So früh wie möglich beginnen
Damit Kinder und Jugendliche erleben können, dass ihre Stimme zählt, bedarf es verschiedener Grundlagen. Erstens sollte Partizipation schon in der frühkindlichen Bildung beginnen. Es ist nie zu früh, um mitzubestimmen. Kita-Kinder sind durchaus in der Lage, Projekt-Themen zu wählen oder Regeln für das Zusammenleben mitzugestalten – Grundschüler:innen erst recht.
Eine weitere Voraussetzung: Die verantwortlichen Pädagog:innen benötigen entsprechende Ressourcen. Sie müssen über das nötige Fachwissen und Unterrichtsmaterial sowie über ausreichende gestalterische Freiräume verfügen – last not least sollten sie selbst vom Thema überzeugt sein. Dabei lässt sich das Thema Demokratie auf zwei Säulen verteilen: einerseits inhaltliche Unterrichtsblöcke, die politisches Wissen theoretisch vermitteln, andererseits fortlaufende partizipatorische Elemente im Kita- und Schulleben, von Themenkonferenzen bis hin zum Schülerrat.
Demokratie braucht Medienkompetenz
Neben politischem Wissen gewinnt ein inhaltlicher Baustein der Demokratiebildung immer mehr an Bedeutung: Medienkompetenz. Kinder und vor allem Jugendliche haben heute Zugang zu einem unendlichen Dschungel an Informationen, darunter auch Fake News und Hate Speech. „Medienkompetenz“ bedeutet also nicht nur, Medien aller Art technisch bedienen zu können. Vielmehr kommt es darauf an, Kinder und Jugendliche in die Lage zu versetzen, Medienangebote effektiv zu nutzen, sie kritisch zu reflektieren, zu bewerten und selbst zu gestalten.
In den genannten Punkten spielen Schulen und Kitas eine entscheidende Rolle. Sich in Sachen Demokratiebildung aber allein auf sie zu verlassen, wäre zu kurz gesprungen. Idealerweise verstärken sich die Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche in Bildungsinstitutionen sowie in ihren sonstigen sozialen Umfeldern machen, in Familien, Vereinen und anderen Organisationen.
Überall gilt, was der Bildungsforscher Prof. Klaus Hurrelmann vor Kurzem in einem Interview mit der Neuen Westfälischen formulierte: „Kinder sollten unbedingt lernen, sich auseinanderzusetzen, ob in der Familie oder in der Schule. Sie sollten lernen, sachliche Positionen zu vertreten und zu tolerieren, dass es andere Meinungen gibt. Die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen sollte im Vordergrund stehen – gelebte Demokratie“.*
Natürlich gibt es Argumente, die gegen Mitbestimmung sprechen: Partizipative Prozesse brauchen Zeit, sie können Komplexität mit sich bringen und tragen kurzfristig nicht immer zur effizienten Entscheidungsfindung bei. Das mag manche Verantwortlichen davon abhalten, Partizipation in ihrem Wirkungskreis zu ermöglichen.
Was aber geschieht, wenn keine Mitbestimmung möglich ist? Wenn junge Menschen schon in ihrem direkten Umfeld das Gefühl haben, nicht gehört zu werden? Sie können nachhaltig das Vertrauen in demokratische Institutionen und das Interesse an gesellschaftlichen Fragen verlieren. Zudem können Entscheidungen, die ohne die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen getroffen werden, an deren Bedürfnissen und Interessen vorbeigehen. So erzielt man vielleicht schneller Ergebnisse, läuft aber Gefahr, am Ziel vorbeizuschießen.
Demokratiebildung nützt allen
Für eine stabile Demokratie und eine lebendige Zivilgesellschaft ist Demokratiebildung also ein Muss. Viel mehr noch: Wir alle profitieren davon.
In partizipatorischen Prozessen können Kinder lernen, wie man Konflikte friedlich löst. Dazu gehört, anderen empathisch und tolerant zu begegnen und die Rechte und Meinungen anderer zu respektieren. Wer Kinder zu Toleranz und kritischem Denken ermuntert, lässt sie selbstbewusster und robuster gegenüber Manipulation werden. So wird es ihnen später leichter fallen, radikalen Strömungen zu widerstehen, die scheinbar einfache Antworten auf komplexe Fragen anbieten.
Zudem befördert Mitbestimmung die Motivation und lässt Menschen kreativ werden. Das durften wir als Walter Blüchert Stiftung zuletzt im Rahmen unseres Programms kreativraum erfahren, als Gütersloher Grundschüler:innen ihre Wünsche für die Zukunft formulierten. Während einer Zukunftswerkstatt entwickelten sie beeindruckende Ideen. Da wurden Maulwurf-Areale auf Spielplätzen oder Fühl-Parcours für Supermärkte entworfen. Gleichzeitig machten die Kinder deutlich, dass sie sich für ihre Schulen vor allem Sauberkeit, Freiräume und eine friedliche Atmosphäre wünschen.
Resilienz zählt fürs Leben
Auch wenn der eine oder andere Vorschlag auf den ersten Blick kurios erscheinen mag, so erlauben Eindrücke aus solchen Projekten es doch, den gedanklichen Bogen zum Erwachsenenleben und zur Gesellschaft als Ganze zu schlagen. Kinder, die sich gehört fühlen, haben größere Chancen, zu resilienten, kritisch denkenden Erwachsenen zu werden. Menschen, deren Meinung angenommen wird, sind motivierter und kreativer. Und Menschen, die sich respektiert fühlen, können andere Menschen eher respektieren.
Resilienz, Motivation, Toleranz – all das können wir nur erreichen, wenn Menschen von klein auf Mitbestimmung als etwas Positives, Wirksames erfahren. Demokratiebildung ist ein Prozess, der in kleinen Schritten vorangeht und sich als roter Faden durch die gesamte Bildungsbiografie von Heranwachsenden ziehen sollte. Nur wenn wir unsere Kinder lernen lassen, dass sie einen Beitrag leisten können, werden sie als Erwachsene die Demokratie als wertvolles Gut schätzen und sich für sie einsetzen.
Ihr Gunter Thielen
* Neue Westfälische, 6. Februar 2024.
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